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Empfehlung ohne Grundlage

03. Juli 2017

Expertengruppe spricht sich für eine besondere Art und Weise aus, Hautantiseptika aufzutragen. Die medizinische Evidenz hierfür bleibt aber unklar.

Tupfen, sprühen oder streichen? Nicht nur beim Maler entscheidet die Auftragetechnik über das Ergebnis. Während allerdings an der Wand lediglich der Farbeindruck zählt, wird bei der präoperativen Hautantiseptik auch die antimikrobielle Wirksamkeit von der Art des Auftragens des Produktes beeinflusst.

So zumindest, wenn man einer Expertengruppe Glauben schenken darf, die sich im April 2016 in der Schweiz traf, um über die richtige Auftragetechnik zu entscheiden. Die Schlussfolgerungen wurden in der aktuellen Ausgabe der anerkannten Fachzeitschrift Journal of Hospital Infection veröffentlicht [1].

Alkoholische Hautantiseptika sind Standard bei der Patientenvorbereitung im OP. Es gibt aktuell zwei Methoden, alkoholische Hautantiseptika vor Operationen aufzutragen. Bei der in der Praxis am häufigsten verwendeten Methode wird das Präparat in einer Nierenschale vorgelegt und mit Hilfe von getränkten Tupfern auf der Haut des Patienten verteilt. Dabei werden die Tupfer konzentrisch von innen nach außen bewegt. Alternativ kann das Präparat auch mit Hilfe eines Schwammes auf die Haut des Patienten aufgetragen werden. Dieser Schwamm wird als Applikator zusammen mit der Flüssigkeit in einem Einmalprodukt im Markt angeboten. Bei diesem Produkt soll der Schwamm mit Druck vor und zurück über die spätere Operationsstelle gestrichen werden.

Die Expertengruppe empfiehlt nun, auf Tupfer zu verzichten und die Präparate mit Hilfe eines Applikators aufzutragen, um Infektionskeime auf der Haut stärker zu reduzieren und damit das Risiko von postoperativen Wundinfektionen zu mindern.

Worauf fußt diese Empfehlung? Im Allgemeinen werden wissenschaftlich vergleichende Studien herangezogen, um Empfehlungen in der Medizin zu begründen. Davon kann in diesem Fall nicht die Rede sein. Keine der von den Autoren zitierten Untersuchungen hat abhängig von der Auftragetechnik Unterschiede in der Wirksamkeit aufgezeigt. Auch wenn die Auftragetechnik durchaus die Wirksamkeit beeinflussen kann, gehen die Autoren bei ihrer Empfehlung davon aus, dass sich die „Tupfermethode“ per se nicht standardisieren lässt. Auch dies eine unbegründete Annahme.

Unglaubwürdig werden die Autoren auch, wenn sie weitere Vorteile der „Applikatormethode“ auflisten. Diese sind durch keinerlei Ergebnisse belegt und reine Behauptungen; insbesondere das Argument, dass Einmalprodukte umweltfreundlicher seien und Müll einsparten, widerspricht der praktischen Erfahrung.

Es ist durchaus eine gerechtfertigte Frage, welche Vorteile Art und Weise des Auftragens von Hautantiseptika hat, um Patienten vor Infektionen zu schützen. Einig kann man sich mit den Autoren sein, dass hierfür entsprechend konzipierte Studien benötigt werden. In diesen vergleichenden Studien sollten die verwendeten Techniken allerdings klar beschrieben und definiert sein. Nur und erst dann lassen sich wissenschaftlich seriöse Empfehlungen für die Praxis ableiten.

Alle Autoren der Expertengruppe wurden von der Firma finanziell unterstützt, die als einzige das Präparat mit dem Applikator im Markt anbieten.

Referenzen

[1] Casey AL et al. 2017.Skin antisepsis: it’s not only what you use, it’s the way that you use it. J. Hosp. Infect.

http://www.journalofhospitalinfection.com/article/S0195-6701(17)30233-5/pdf

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