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Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) am Robert Koch-Institut empfiehlt vor Anlage von Kathetern bei der Hautantiseptik nur noch Präparate mit Octenidin oder Chlorhexidin

10. März 2017

Publikationen zur Wirksamkeit von Chlorhexidin und Octenidin belegen die nachhaltige Wirkung dieser Wirkstoffe. Damit sind diese unverzichtbare Bestandteile bei der Prävention von Katheter-assoziierten Infektionen.

Der Anwender hat wie so häufig die Qual der Wahl. Eine Vielzahl von Präparaten konkurrieren auch in der täglichen Routine bei der Hautantiseptik um ihren Einsatz am Patienten. Welche Präparate am Ende eingesetzt werden, entscheidet nicht selten der Preis. Das sich die Präparate in ihrer Wirksamkeit aber durchaus unterscheiden, ist mittlerweile durch eine Vielzahl von Untersuchungen belegt. Alkoholische Präparate mit einem zusätzlichen Wirkstoff (d.h. Chlorhexidin, Octenidin) sind rein alkoholischen Formulierungen überlegen. So helfen Chlorhexidin (CHX) und Octenidin (OCT) u.a. Blutstrominfektionen (BSI) zu verhindern, die von Gefäßkathetern ausgehen. Die klinischen Belege hierzu sind mittlerweile eindeutig. Diese medizinische Evidenz hat nun die KRINKO dazu veranlasst, diese beiden Wirkstoffe in ihre aktuelle nationale Empfehlung zur Infektionsprävention bei Gefäßkathetern [1] aufzunehmen.

Hierzu muss man wissen, dass Hautantiseptika als Arzneimittel in den meisten Fällen Präparate sind, die verschiedene Alkohole (d.h. Ethanol, 1-Propanol, 2-Propanol) in Kombination enthalten. Diesen Alkoholen, die für die schnelle Keimzahlreduktion verantwortlich sind, wird in manchen Präparaten noch ein zusätzlicher antimikrobieller Wirkstoff (z.B. PVP-Iod, Chlorhexidin, Octenidin) zugesetzt. Dieser soll für die nachhaltige und langfristige, d.h. remanente, Wirksamkeit sorgen.

International ist seit Jahren Chlorhexidin (CHX) ein wichtiger Pfeiler im Kampf gegen im Krankenhaus erworbene Infektionen. Vor Operationen oder anderen Eingriffen reduziert CHX auf der Haut von Patienten nachhaltig die Keimzahl. Damit kann der Wirkstoff auf vielfältige Weise dazu beitragen, Infektionen bei Patienten zu verhindern. So bleiben Blutkonserven keimfrei, Wunden heilen nach einer Operation problemlos ab und länger liegende Gefäß-Katheter führen seltener zu lebensbedrohlichen Blutvergiftungen.

CHX genießt einen hohen wissenschaftlichen Stellenwert. Mit seiner hohen medizinischen Evidenz ist CHX mittlerweile in Empfehlungen vieler internationaler Einrichtungen als antiseptischer Wirkstoff vertreten, z.B. der World Health Organization (WHO) [2] und des amerikanischen Centers of Disease Control (CDC) [3].

Die den Empfehlungen zugrundeliegenden Studien waren aber auch Anlass zur Kritik. Der Beitrag des Alkohols sei nicht ausreichend berücksichtigt worden [4,5]. So wurde als Vergleichspräparat in einem Fall ein wässeriges PVP-Iod Präparat verwendet. Es war also nicht auszuschließen, dass allein der Alkohol für die beobachtbaren klinischen Effekte verantwortlich war.

Diese Unsicherheit wurde nun in den letzten beiden Jahren durch zwei neue Studien aufgelöst. So verwendeten Mimoz et al. (2015) [6] als Referenzpräparat ein Ethanol-haltiges PVP-Iod Präparat. Sie konnten bei insgesamt 2546 Patienten zeigen, dass Katheter-bedingte Infektionen mit IPA/CHX hoch signifikant seltener auftraten als nach Anwendung eines alkoholischen PVP-Iod Präparats. In einer weiteren Studie aus dem Jahr 2016 konnten auch Wundinfektionen durch IPA/CHX vermindert werden [7]. Bei insgesamt 1147 Patientinnen wurden die Infektionen nach Kaiserschnitt im Vergleich zu einem 2-Propanol-haltigen PVP-Iod Präparat von 7,3 % auf 4,0 % gesenkt. Diese Daten bestätigen, dass CHX alkoholischen Präparaten eine zusätzliche Wirksamkeit verleiht, die klinisch von hoher Bedeutung ist.

Von diesen Ergebnissen profitiert auch OCT, das in einigen Ländern Europas als zusätzlicher Wirkstoff bevorzugt wird. Denn auch OCT weist einen ausgeprägten remanenten Effekt auf [8,9]. Diese Remanenz wurde in zwei randomisierten, kontrollierten Studien gezeigt [10,11] und verleiht OCT in einem Hautantiseptikum eine Wirksamkeit, die über mindestens 48 Stunden anhält [12].

Die neue KRINO Empfehlung ist das Ergebnis dieser Neubewertung und stellt OCT auf gleiche Stufe mit CHX. Damit erfüllen vor Anlage von Gefäßkathetern nur noch CHX- oder OCT-haltige Hautantiseptika in Zukunft die Anforderungen. Es ist zu erwarten, dass OCT dadurch auch international zunehmend eine wichtige Rolle in der Hautantiseptik spielen wird. Und vielleicht ist damit zukünftig nicht allein der Preis entscheidend, welches Präparat am Patienten zum Einsatz kommt. 

Quellen:
1.KRINKO (RKI) (2017) Prävention von Infektionen, die von Gefäßkathetern ausgehen. Bundesgesundheitsbl 2017: 60: 171–206; DOI 10.1007/s00103-016-2487-4; epub. 16. Jan 2016
2.Allegranzi B. et al.(2016a) New WHO recommendations on preoperative measures for surgical site infection prevention: an evidence-based global perspective. The Lancet Infectious Diseases , Volume 16 , Issue 12 , e276 - e287. http://www.thelancet.com/journals/laninf/article/PIIS1473-3099(16)30398-X/fulltext
3.O'Grady NP, Alexander M, Burns LA et al (2011) Guidelines for the prevention of intravascular catheter-related infections. Am J Infect Control 39(4 Suppl 1):S1–S34
4.Maiwald M, Chan ES-Y (2012) The Forgotten Role of Alcohol: A Systematic Review and Meta-Analysis of the Clinical Efficacy and Perceived Role of Chlorhexidine in Skin Antisepsis. PLoS ONE 7(9): e44277. doi:10.1371/journal.pone.0044277. http://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0044277
5.Maiwald M, Chan ES-Y (2014) Pitfalls in evidence assessment: the case of chlorhexidine and alcohol in skin antisepsis. J Antimicrob Chemother. doi:10.1093/jac/dku121.http://jac.oxfordjournals.org/content/69/8/2017.full.pdf+html?sid=776d7f7e-3b31-4f75-b7ad-d345ec679688
6.Mimoz O, Lucet JC et al (2015) Skin antisepsis with chlorhexidine–alcohol versus povidone iodine–alcohol, with and without skin scrubbing, for prevention of intravascular-catheter-related infection (CLEAN): an open-label, multicentre, randomised, controlled, two-by-two factorial trial. The Lancet, Vol. 386, No. 10008, p2069–2077. http://www.thelancet.com/pdfs/journals/lancet/PIIS0140-6736(15)00244-5.pdf
7.Tuuli MG, Liu J et al (2016) A Randomized Trial Comparing Skin Antiseptic Agents at Cesarean Delivery. New Eng J Med 374: 647-55.http://www.nejm.org/doi/pdf/10.1056/NEJMoa1511048                                                                                   8.Müller G, Langer J, Siebert J, Kramer A (2014) Residual antimicrobial effect of chlorhexidine digluconate and octenidine dihydrochloride on reconstructed human epidermis. Skin Pharmacol Physiol 27(1):1–8                                           9.Melichercikova, V.; Urban,J.; Goroncy-Bermes, P.: Residual effect of antiseptic substances on human skin. J Hosp Infect. 2010 ; 75 : Letter to the editor
10.Dettenkofer M, Wilson C, Gratwohl A et al (2010) Skin disinfection with octenidine dihydrochloride for central venous catheter site care: a double-blind, randomized, controlled trial. Clin Microbiol Infect 16(6):600–606. http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/j.1469-0691.2009.02917.x/epdfDettenkofer M, Jonas D, Wiechmann C et al. (2002) Effect of skin disinfection with octenidine dihydrochloride on insertion site colonization of intravascular catheters. Infection 30(5):282–285
11.Lutz JT, Diener IV, Freiberg K, et al (2016) Efficacy of two antiseptic regimens on skin colonization of insertion sites for two different catheter types - a randomized clinical trial. Infection. DOI 10.1007/s15010-016-0899-6.
12.http://link.springer.com/article/10.1007%2Fs15010-016-0899-6#enumeration.

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