Datenschutzhinweis

Diese Webseite verwendet Cookies und externe Ressourcen, die dazu genutzt werden können, Daten über Ihr Nutzungsverhalten zu sammeln zum Zwecke der statistischen Analyse, Komfortverbesserung und Webseitenoptimierung. Wenn Sie der Verwendung von Cookies und externen Komponenten zustimmen, klicken Sie bitte auf „Alles akzeptieren“. Datenschutzerklärung

Nur technisch notwendige Cookies erlauben
 
 
 
 
1
 

Einer weiteren Schutzmauer vor Krankenhausinfektionen droht der Einsturz

15. September 2015

Resistenzen gefährden zunehmend die Dekontamination und Sanierung von Patienten, die mit multiresistenten Erregern besiedelt sind

Die regelmäßige Waschung und Behandlung der Nasenschleimhaut von Patienten gehört für den Krankenhaushygieniker einer großen Deutschen Universitätsklinik zur gängigen Hygienepraxis, um die Ausbreitung von krankmachenden, gegenüber Antibiotika unempfindlichen Keimen auf andere Patienten zu verhindern. In letzter Zeit beobachtet er aber immer öfter das Versagen dieser Sanierungsmaßnahmen, mit der Konsequenz, dass der Patient weiterhin Träger für diese multiresistenten Erreger in der Nase und auf der Haut bleibt.

Viele krankmachende Erregern sind mittlerweile unempfindlich gegen eine Vielzahl von ansonsten hochwirksamen antimikrobiellen Substanzen. Diese Resistenzen gegen häufig lebensrettende Antibiotika gefährden ernsthaft die erfolgreiche Behandlung und Genesung der erkrankten Patienten. Dieses Problem ist bekannt, und es werden Anstrengungen unternommen, um dieser erschreckenden Entwicklung entgegenzuwirken. Neuerdings verschärft sich aber die Situation weiter. Zunehmend werden auch Resistenzen gegenüber von Substanzen beobachtet, die die Ausbreitung dieser resistenten Keime von
Patient zu Patient verhindern sollen. Zu diesem Schluss kommen die Autoren einer wissenschaftlichen Auswertung neuer klinischer Studien und Daten im anerkannten „Journal of Antimicrobial Chemotherapy“ aus dem Juli diesen Jahres1. Die Autoren fordern eindringlich den sorgsamen und überlegten Einsatz dieser Substanzen, aber auch neue Wirkstoffe verstärkt mit in die Betrachtung einzubeziehen.

Das Antibiotikum Mupirocin bildet seit den späten 1980er Jahren die Grundlage für die erfolgreiche Behandlung von Patienten, die mit multiresistenten Staphylococcus aureus (MRSA) Erregern in der Nase besiedelt sind. Der Nasenvorhof bildet den hauptsächlichen Stand- und Verbreitungsort für diesen Keim. MRSA können lebensbedrohliche Infektionen verursachen, die durch die vorliegende Resistenz nur schwer zu behandeln sind. Deshalb ist eine Behandlung und Sanierung dieser MRSA-Träger dringend notwendig. Gleichzeitig erfolgt eine Ganzkörperdekontamination von diesen MRSA-besiedelten Patienten, um insgesamt eine Keimfreiheit zu gewährleisten und die Übertragung der Keime auf andere Patienten zu verhindern. International werden hierzu bevorzugt Präparate eingesetzt, die die antimikrobielle Substanz Chlorhexidin enthalten. Beide Wirkstoffe (Mupirocin und Chlorhexidin) werden mittlerweile von den verschiedensten medizinischen Fachgesellschaften als sogenannter Goldstandard empfohlen, weil in der Fachliteratur ausreichend klinische Daten zur Wirksamkeit und Unbedenklichkeit vorliegen.

MRE Grafik

Diese Therapieoptionen werden nun nach der Analyse der Autoren zusehends durch Resistenzen eingeschränkt. Eine Auswertung der Literatur ergab, dass bis zu 81 % der MRSA-Keime eine Resistenz gegenüber Mupirocin aufwiesen. Dabei war Höhe und Ausprägung der Resistenz der Keime gegen Mupirocin abhängig davon, ob und in welchem Ausmaß die Patienten mit dieser Substanz im Vorwege behandelt wurden. Gleichzeitig wurde bei 65 % bis 91 % aller MRSA-Isolate eine Resistenz gegenüber Chlorhexidin festgestellt. Die Sanierung der Patienten scheiterte maßgeblich durch diese beiden Resistenzen.

Angesichts dieser brisanten Lage plädieren die Autoren alternativ auch andere Wirkstoffe mit in das bisherige Sanierungskonzept zu integrieren. Neben Polihexanid und Hypochlorit wird u.a. auch Octenidin erwähnt. Alle diese alternativen Wirkstoffe besitzen allerdings zur Zeit den Nachteil, dass klinische Vergleichsstudien nicht in dem Maße vorliegen wie für Mupirocin oder Chlorhexidin. Insbesondere die Anwendungen dar. Resistenzen wurden für diese Substanz trotz 25-jähriger Verwendung nicht berichtet. Außerdem ist bisher kein Resistenzmechanismus bekannt, der MRSA Erreger in die Lage versetzte, einen Schutz gegen diesen Wirkstoff auszubilden.

Ein Aspekt, den die Autoren anführen und der in diesem Zusammenhang wichtig ist, stellt die Abhängigkeit dar zwischen der Verwendung von Chlorhexidin in der Händehygiene und der Höhe der MRSA-Resistenz. So wurden in Taiwan erhöhte Resistenzraten gefunden, die eng mit der Verwendung von Chlorhexidin in Händedesinfektionsmitteln korrelierte. Dieser Befund zeigt, dass auch abseits der beabsichtigten Zweckbestimmung andere Verwendungen für die Substanz in Rechnung gestellt werden müssen, um das Gesamtrisiko für das Auftreten von Resistenzen zu bestimmen. Vergleichbare Betrachtungen werden bei Allergenen schon seit längerem angestellt (z.B. bei Verwendung von Kosmetikkonservierungsmitteln auch in technischen Produkten).

Nach diesen neuen Befunden bleibt unserem Krankenhaushygieniker wohl nichts anderes übrig, als die bewährten Wirkstoffe überlegt, d.h. gezielt und nur solange als notwendig einzusetzen und alternativ bewährte und gut verträgliche Wirkstoffe abseits von Mupirocin und Chlorhexidin zur Sanierung zu verwenden. Ziel muss es sein, die Schutzmauer zur Prävention lebensbedrohlichen Infektionen weiter aufrecht zu erhalten.

 
 

Quelle:
1 Poovelikunnel T, Gethin G, Humphreys H (2015) Mupirocin resistance: clinical implications and potential alternatives for the eradication of MRSA. J. Antimicrob. Chemother. (2015) 70 (10): 2681-2692. doi: 10.1093/jac/dkv169