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WHO gibt weltweit Empfehlungen zur Verhinderung von postoperativen Wundinfektionen

30. November 2016

Keimreduzierende Maßnahmen spielen eine wichtige Rolle bei den Evidenzbasierten Empfehlungen der WHO. Gleichzeitig sollen die Empfehlungen dazu beitragen, dass sich Antibiotika-resistente Keime nicht weiter ausbreiten.

Wundinfektionen nach operativen Eingriffen (sogenannte Surgical Site Infections) bedrohen jedes Jahr die Gesundheit von Millionen von Patienten. Gleichzeitig tragen diese SSI dazu bei, dass Antibiotika-resistente Bakterienstämme sich weiter ausbreiten. Das Problem lässt sich besonders in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen veranschaulichen. Hier erleiden 15 % aller Patienten nach der Operation eine Infektion. Aber auch in Staaten mit guter Gesundheitsfürsorge ist die Situation nur ungleich besser. Jedes Jahr treten in der Europäischen Union (EU) nach operativen Eingriffen mehr als 2,5 Millionen Infektionen auf. Von diesen gehen ca. 800.000 auf das Konto von SSI, an denen ca. 16.000 Patienten jährlich versterben.1

Dieser dramatischen Situation hat sich nun die WHO mit ihren Empfehlungen angenommen. Die insgesamt 26 WHO-Empfehlungen wurden am 2. Nov. im Fachblatt „The Lancet Infectious Diseases“ veröffentlicht.2,3 Sie wurden von weltweit führenden Experten ausgearbeitet und basieren auf veröffentlichten wissenschaftlichen Studien, die die Qualitätskriterien einer Evidenzbasierten Medizin erfüllen. Gegenstand der Empfehlungen sind sowohl prä-, intra- und postoperative Maßnahmen.

Neben Regeln zur präoperativen Antibiotika-Prophylaxe spielen bei den Empfehlungen auch locale keimreduzierende Maßnahmen eine wesentliche Rolle. Im folgenden werden die Maßnahmen zusammengefasst, die die lokale Keimreduktion im Zuge operativer Eingriffe in den Mittelpunkt stellen.

1. Präoperatives Waschen
Die Experten empfehlen jeden Patienten präoperativ mit einem Seifenpräparat zu waschen. Inwieweit bei der Waschung ein antimikrobielles Präparat Vorteile gegenüber einer einfachen Seife hat, kann zur Zeit aufgrund der Studienlage nicht entschieden werden.

2. Dekolonisierung von MRSA-Trägern
Vor herzchirurgischen und orthopädischen Eingriffen sind MRSA-positive Patienten mit
Mupirocin-Salbe (2 %) zu sanieren. Für diese Maßnahme besteht eine sehr hohe Evidenz. Eine parallel durchgeführte Waschung mit Chlorhexidin ist möglich, wird aber aufgrund ihres unklaren Beitrags zur Senkung der SSI als nicht notwendig angesehen. Auch vor operative Eingriffen mit geringerem Infektionsrisiko empfehlen die Experten eine solche Maßnahme, wenn auch mit niedrigerer Priorität.

3. Präoperative Hautantiseptik
Zur präoperativen Hautantiseptik werden von den Experten Alkohol-basierte Präparate mit Chlorhexidin als remanenten Wirkstoff empfohlen.

4. Chirurgische Händedesinfektion
Die chirurgische Händedesinfektion des OP-Personals wird als unverzichtbare Maßnahme vor chirurgischen Eingriffen angesehen. Hierzu können Alkohol-basierte Einreibepräparate als auch waschende antimikrobielle Präparate gleichberechtigt verwendet werden.

5. Wundspülungen
Welchen Beitrag die intraoperative Wundspülung mit physiologischer NaCl-Lösung hat, um SSI zu verhindern, wird als unklar eingestuft. Vor dem Wundverschluss kann allerdings die Spülung mit einer wässerigen PVP-Iod Lösung einen positiven Beitrag leisten.

6. Antimikrobielles Nahtmaterial
Unabhängig vom Art des Eingriffes empfehlen die Experten, zum primären Wundverschluss mit Triclosan-ausgerüstetes Nahtmaterial zu verwenden.

Bei diesen WHO-Empfehlungen ist zu berücksichtigen, dass sie weltweite Geltung haben müssen. Fragen der Verfügbarkeit von Stoffen stehen dabei ebenso im Vordergrund wie die Praktikabilität der Maßnahmen. Deshalb sind u.a. Stoffe wie Chlorhexidin und PVP-Iod als Mittel der Wahl genannt. Lokale und nationale Besonderheiten können somit nicht Grundlage solcher Empfehlungen sein.

Es ist beabsichtigt die aktuellen Empfehlungen spätestens alle 5 Jahre auf ihren Evidenzgrad zu überprüfen.

 
 

Quellen:

1Cassini A, Plachouras D, Eckmanns T, Abu Sin M, Blank HP, et al. (2016) Burden of Six Healthcare-Associated Infections on European Population Health: Estimating Incidence-Based Disability-Adjusted Life Years through a Population Prevalence-Based Modelling Study. PLOS Medicine 13(10): e1002150.
doi: 10.1371/journal.pmed.1002150.http://dx.doi.org/10.1371/journal.pmed.1002150
2Allegranzi B. et al.(2016a) New WHO recommendations on preoperative measures for surgical site infection prevention: an evidence-based global perspective. The Lancet Infectious Diseases , Volume 16 , Issue 12 , e276 - e287. http://www.thelancet.com/journals/laninf/article/PIIS1473-3099(16)30398-X/fulltext
3Allegranzi B. et al.(2016b) New WHO recommendations on intraoperative and postoperative measures for surgical site infection prevention: an evidence-based global perspective. The Lancet Infectious Diseases , Volume 16 , Issue 12 , e288 - e303.
http://www.thelancet.com/journals/laninf/article/PIIS1473-3099(16)30402-9/fulltext