50 Jahre Rudolf-Schülke-Stiftung: Die Hygiene muss dem weltweiten Gesundheitsschutz verpflichtet bleiben

20. Mai 2022

Die Rudolf Schülke-Stiftung feierte im Rahmen eines Festakts in Hamburg ihr 50-jähriges Bestehen.

Die Rudolf Schülke-Stiftung feierte im Rahmen eines Festakts in Hamburg ihr 50-jähriges Bestehen. Das Ziel dieser Stiftung, die Förderung der Prävention und Kontrolle übertragbarer Krankheiten durch vielseitige, innovative, angewandte Forschungsansätze in der Hygiene und Mikrobiologie, hat nichts an Bedeutung verloren. Der Vorsitzende, Prof. Dr. med. Martin Exner, Universitätsklinikum Bonn, betonte zudem die Verpflichtung, dabei dem Gesundheitsschutz aller Menschen dieser Welt unter Berücksichtigung der vielfältigen Herausforderungen unserer Zeit gerecht zu werden. Während des Festakts wurden auch die beiden hoch angesehenen Auszeichnungen der Stiftung, der Hygiene-Preis für herausragende Publikationen auf den Gebieten der Hygiene, Mikrobiologie, öffentlichen oder globalen Gesundheit, und die Hygieia-Medaille für ein Lebenswerk im Dienst der Hygiene und öffentlichen Gesundheit, feierlich übergeben. Den Hygiene-Preis erhielt Prof. Ewa Stürmer und ihr Team für ihre Publikation zur vergleichenden Bewertung von antiseptischen Wirkstoffen mit einem neu entwickelten realitätsnahen Wundbiofilm-Modell, mit der Hygieia-Medaille wurde Prof. Thomas Mertens, Vorsitzender der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut, geehrt.

V.l.n.r. Martin Exner (Vorstandsvorsitzender), Susanne Reimann (Moderation), Dr. Uwe Berlekamp (Vorstand), Thomas Mertens (Preisträger Hygieia-Medaille), Ewa Klara Stürmer (Preisträgerin Hygiene-Preis), Hans-Christian Nehlsen (Geschäftsführer Schülke & Mayr), Lars Lemke (Vorstand), Bildnachweis: © Rudolf-Schülke-Stiftung, Fotograf: Krafft Angerer, Hamburg.
V.l.n.r. Martin Exner (Vorstandsvorsitzender), Susanne Reimann (Moderation), Dr. Uwe Berlekamp (Vorstand), Thomas Mertens (Preisträger Hygieia-Medaille), Ewa Klara Stürmer (Preisträgerin Hygiene-Preis), Hans-Christian Nehlsen (Geschäftsführer Schülke & Mayr), Lars Lemke (Vorstand), Bildnachweis: © Rudolf-Schülke-Stiftung, Fotograf: Krafft Angerer, Hamburg.

Rückblicke und Ausblicke

Gegründet wurde die Stiftung auf Initiative des damaligen Geschäftsführers der Schülke & Mayr GmbH, Dr. Martin Deutsch, am 18. Oktober 1972. Ihre Aufgabe ist die Förderung der Hygiene und Mikrobiologie für die Prävention und Kontrolle übertragbarer Krankheiten. Wegweisend formulierte der Gründungsvorsitzende, Prof. Habs, dass die Hygiene hierbei als eine angewandte Wissenschaft verstanden werden sollte, die eine vielseitige, zunächst zweckfreie Forschung voraussetzt, aber einem bestimmten Ziel, nämlich dem der „Volksgesundheit“, also der öffentlichen Gesundheit, verpflichtet ist. Der derzeitige Vorsitzende der Stiftung, der renommierte Hygieniker Prof. em. Dr. med. Martin Exner, Universitätsklinikum Bonn, führte die knapp 60 geladenen Gäste in Hamburg in einem anschaulich gestalteten Vortrag durch die Geschichte der Stiftung und stellte vergangene und aktuelle Herausforderungen ihrer Arbeit dar. So hatte 1996 und 2007 die Rudolf-Schülke-Stiftung mit der Herausgabe der „Denkschrift zur Bedrohung durch Infektionskrankheiten“ die Risiken durch neue und neu auftretende Infektionserreger antizipiert und skizziert und Strategien zu Risikobewertung und -management vorgeschlagen. In den 50 Jahren sind die Aufgaben der Stiftung mit ihrem ursprünglichen Schwerpunkt in der Desinfektion deutlich erweitert worden. Die Aufdeckung weniger häufig diskutierter Problemstellungen, die Patientensicherheit und die globale Gesundheit in Präventions- und Kontrollstrategien werden gezielt mehr in den Fokus gerückt. Interdisziplinäre internationale Forschung, Zusammenarbeit der Universitäten und die Förderung wissenschaftlichen Nachwuchses sind dafür grundlegend. Diesem Ziel wird die Stiftung außer mit der Ausschreibung des Hygiene-Preises und der Verleihung der Hygieia-Medaille auch mit ihren fachlich anspruchsvollen Arbeitsgesprächen gerecht, die publikatorisch aufbereitet werden. Die zukünftige Hygiene, so Exner, muss dem weltweiten Gesundheitsschutz verpflichtet bleiben. Die Rudolf-Schülke-Stiftung werde hierzu inhaltliche Impulse geben und junge Wissenschaftler:innen auch weiterhin zur Forschungsarbeit motivieren.

Im Anschluss an diesen engagierten und hoffnungsvollen Ausblick, nahm Prof. Dr. med. Philipp Osten die Gäste mit in die Geschichte der Bewältigung großer Pandemien der Menschheit wie Pest, Cholera und Spanische Grippe. Die Geschichte hilft dabei, die Maßnahmen, die in der aktuellen Pandemie ergriffen wurden und werden, besser zu verstehen. Prof. Osten ist Leiter des Instituts für Geschichte und Ethik der Medizin am Universitätskrankenhaus Hamburg-Eppendorf und Leiter des medizinhistorischen Museums Hamburg, in dem noch bis August die Ausstellung „Pandemie. Rückblicke in die Gegenwart“ läuft. Anhand vieler Illustrationen und Bilder aus der Vergangenheit erkannte man tatsächlich sehr vieles aus der Gegenwart, auch Impfskepsis ist durchaus kein neues Phänomen. Positive Neuheiten in der Geschichte der Pandemien sind die rasche Identifikation des Erregers, die Schnelligkeit und Zuverlässigkeit der Nachweismethode durch PCR-Tests für SARS-CoV-2 so wie auch die schnelle Verfügbarkeit eines wirksamen und sicheren Impfstoffs.

Hygiene-Preis und Hygieia-Medaille

Der Hygiene-Preis und die Hygieia-Medaille der Rudolf-Schülke-Stiftung werden alle zwei Jahre vergeben. In diesem Jahr wurde die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. med. Ewa Stürmer, Hamburg, für ihre Arbeit „Comparative analysis of biofilm models to determine the efficacy of antimicrobials“, erschienen im International Journal of Hygiene and Environmental Health, ausgezeichnet [1]. Der mit 15.000 € dotierte Preis wird zur Nachwuchsförderung an Wissenschaftler:innen verliehen, die besondere Problemlösungen im Bereich Hygiene, Mikrobiologie, Präventivmedizin sowie öffentliche und globale Gesundheit erzielen. In Frau Prof. Stürmers hervorragendem Festvortrag mit dem Titel „Fallstricke in antimikrobiellen Wirkprofilen“ wurde unmittelbar deutlich, weshalb diese Arbeit preiswürdig ist. Mit der Entwicklung eines Biofilm-Modells auf Schafsblut-Basis steht eine flächendeckend einsetzbare Testungsmöglichkeit antimikrobieller Substanzen und Wundauflagen zur Verfügung. Klinisch relevant ist das Ergebnis der vergleichenden Bewertung zweier Wundspüllösungen unter Einsatz des Modells, bei dem Octenisept® das größte Potenzial gegen planktonische sowie auch Biofilm-Bakterien besaß, während sich hypochlorige Wundspüllösungen im Biofilm-Modell als unwirksam erwiesen. Insofern fügte sich die Arbeit gut in das Rahmenthema des diesjährigen Arbeitsgesprächs ein, das sich den Möglichkeiten der klinischen Antiseptik widmete.

Mit der Hygieia-Medaille wurde Prof. Dr. med. Thomas Mertens geehrt. Er ist der
26. Empfänger dieser Auszeichnung. Wie ein Fels in der Brandung, so der Laudator Prof. Exner, sei er in der Impfdiskussion gewesen. Es sei ihm nicht darum gegangen, persönliche Meinungen zum Besten zu geben, sondern er sei den mühsamen Weg der Erstellung von Empfehlungen und deren wissenschaftliche Begründung nach einem kritische Konsensprozess zu gehen. Daher wurden von Vorstand und Beirat der Rudolf-Schülke-Stiftung besonders die Standhaftigkeit und Nachdrücklichkeit gewürdigt, mit der Mertens auf die Notwendigkeit der wissenschaftlichen Evidenz in der Abwägung der Risiken für den Einzelnen wie auch für die Bevölkerung eingetreten ist. Seine Empfehlungen und seine persönliche Darstellung in der Kommunikation haben maßgeblich dazu beigetragen, das Vertrauen in die Entscheidung zur Infektionsprävention durch Impfung zu erhöhen.

In seinen Dankesworten äußerte Prof. Mertens den Wunsch, dass sich auch in der Politik ein breiteres Verständnis dafür durchsetzen würde, dass wissenschaftliches Denken von der Erkenntnislage abhängt, die sich mit dem Erscheinen neuer Publikationen immer wieder verändert, womit sich auch die Evidenzlage von Maßnahmen verändert. Zudem warb er für mehr Toleranz und Offenheit gegenüber den Äußerungen anderer: Die Schwelle zur Aggressivität werde immer schneller überschritten und die Empfänger im Kommunikationsprozess seien oftmals nicht bereit, andere Meinungen zuzulassen. Man müsse bereit sein, die Botschaft anderer auch zu hören, so Mertens.

Ehrung und Verabschiedung verdienter Mitglieder der Stiftung

Der formale Teil des Festakts ging mit der Verabschiedung und Ehrung zweier langjähriger Mitglieder des Beirats bzw. des Vorstands der Stiftung zu Ende. Prof. Dr. med. Matthias Trautmann, Stuttgart, und Prof. Dr. Peter Heeg, Tübingen, beide selbst Träger des Hygiene-Preises, hatten über 20 Jahre lang wertvolle Beiträge zur Bewertung der wissenschaftlichen Publikationen für den Hygiene-Preis sowie in Form von Vorträgen und Diskussionsbeiträgen während der Arbeitsgespräche geleistet. Ihre Nachfolge treten nun Prof. Dr. med. Iris Chaberny, Universitätsklinikum Leipzig, und Prof. Dr. med. Alex Friedrich, Universitätsklinikum Münster, an.

Die Zukunft

In diesem Festakt zum Jubiläum, bei dem mit dem Auftritt des profilierten Kolumnisten Jan Fleischhauer auch eine politisch-pointierte unterhaltsame Perspektive nicht fehlte, zeigte die Rudolf-Schülke-Stiftung einmal mehr ihren hohen Stellenwert in der Förderung und Motivation zur unabhängigen Forschung im Bereich Hygiene. Von unschätzbarem Wert sind und waren auch die informellen Gespräche der Gäste in den Pausen des Arbeitsgesprächs, beim feierlichen Sektempfang und während des Abendessens.

Für die Zukunft, so resümierte Prof. Exner, wird es darum gehen, bei der Entwicklung von Hygienestrategien viel stärker darauf zu achten, dass für Ressourcenschonung, Klimafreundlichkeit und Umsetzbarkeit auch in ärmeren Ländern und während Krisenzeiten, sei es durch Umweltkatastrophen oder Kriege, Sorge getragen wird.

Bildnachweis
© RUDOLF SCHÜLKE STIFTUNG, Fotograf: Krafft Angerer, Hamburg

Literatur
  1. Stürmer EK, Besser M, Brill F, Geffken M, Plattfaut I, Severing AL, Wiencke V, Rembe JD, Naumova EA, Kampe A, Debus S, Smeets R. Comparative analysis of biofilm models to determine the efficacy of antimicrobials. Int J Hyg Environ Health. 2021 May;234:113744. doi: 10.1016/j.ijheh.2021.113744. Epub 2021 Mar 26. PMID: 33780904.

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