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Der Wirkstoff Octenidin voll wirksam auch bei MRSA-Stämmen, bei denen der Behandlungsstandard unwirksam ist

30. Juni 2016

Neue Untersuchung belegt, dass Octenidin bereits in geringsten Konzentrationen MRSA-Isolate abtötet, die gegen Mupirocin eine hohe Resistenz aufweisen.

Das Antibiotikum Mupirocin ist seit den späten 1980er Jahren der Goldstandard für die erfolgreiche Sanierung von Patienten, die mit Staphylokokken einschl. dem multiresistenten Staphylococcus aureus (MRSA) in der Nase besiedelt sind. Der Nasenvorhof bildet den bevorzugten Standort für diesen Keim. Insbesondere MRSA können lebensbedrohliche Infektionen verursachen, die nur noch schwer mit Antibiotika zu behandeln sind. Deshalb ist der Prävention Vorrang zu geben. Um Infektionen zu verhüten und um zu verhindern, dass MRSA auf andere Patienten übertragen werden, werden MRSA-Träger national und international mit dem Wirkstoff Mupirocin saniert. Diese Maßnahme leistet einen wichtigen Beitrag zur Krankenhaushygiene.

Diese Therapieoption wird in letzter Zeit zusehends durch Resistenzen eingeschränkt. Eine Auswertung der Literatur ergab, dass mittlerweile bis zu 81% der MRSA-Keime eine Resistenz gegen Mupirocin aufweisen. Dabei war das Ausmaß der Resistenz gegen Mupirocin abhängig davon, ob und wie breit die Patienten mit dieser Substanz im Vorwege behandelt wurden.5

Alternative Wirkstoffe werden somit dringend benötigt.

Umso wichtiger erscheinen deshalb neue Ergebnisse einer portugiesischen Arbeitsgruppe, die verschiedene klinische MRSA-Isolate auf ihre Empfindlichkeit gegenüber Octenidin überprüft hat.2 Ein Teil der Stämme wies eine sogenannte high-level Mupirocin Resistenz auf, mit einer mittleren Hemmkonzentration (MHK) von mehr als 1 g Mupirocin pro Liter Flüssigkeit. Solche MHK-Werte erlauben es nicht, Patienten zu sanieren, die mit diesen Stämmen besiedelt sind. Alle Stämme wurden gegen verschiedene Konzentrationen von Octenidin im quantitativen Suspensionsversuch nach EN 13727 getestet. Im Ergebnis wurden alle Stämme unabhängig von ihrem Resistenzgrad bereits nach 30 Sekunden Kontaktzeit von 0,001% Octenidin (d.h. 10 ppm) um die erforderlichen 6 log10 Stufen (d.h. 99,9999%) in ihrer Keimzahl reduziert. Da bekannt ist, dass organische Verunreinigungen (z.B. Eiweiße) die Wirksamkeit von antiseptischen Wirkstoffen herabsetzen, wurde zusätzlich 0,6% Serumalbumin den Testansätzen zugesetzt. Auch bei dieser praxisnahen Belastung erwies sich 0,001% Octenidin in 5 Minuten als vollständig wirksam. Bei diesen niedrigen wirksamen Konzentrationen ist es nicht verwunderlich, dass das parallel von den Autoren mitgetestete octenisept® (mit 0,1% Octenidin) in allen Fällen in 30 Sekunden voll wirksam war.

Diese Ergebnisse bestätigen frühere Befunde, bei denen klinische MRSA-Isolate keine erhöhten MHK-Werte für Octenidin aufwiesen.1 Fehlende Resistenzen gegen Octenidin betreffen nicht nur MRSA, sondern auch andere multiresistente Erreger (z.B. ESBL).3,4

Diese Ergebnisse sind bemerkenswert, belegen sie doch, dass der Mechanismus, der MRSA die Resistenz gegenüber Mupirocin verleiht, nicht auf Octenidin zutrifft. Es stellt sich allerdings die Frage, ob sich nicht auch gegen Octenidin spezifische Resistenzen entwickeln können, wenn der Wirkstoff vermehrt gegen MRSA eingesetzt wird? Bereits die unspezifische Wirkung von Octenidin spricht gegen dieses Risiko. Al-Doori et al.1 haben diese Einschätzung mit ihren Untersuchungen bestätigen können. Sie zeigten, dass niedrige und steigende Octenidin-Konzentrationen über drei Monate nicht für MRSA-Stämme selektionierten, die unempfindlich gegenüber Octenidin waren.

Mit diesen beiden Voraussetzungen bestehen gute Chancen, dass mit Octenidin ein alternativer Wirkstoff für die Sanierung von Patienten mit Antibiotika-resistenten Bakterien zur Verfügung steht. Und das auch für die Zukunft, ohne dass das Risiko auf Resistenzen besteht.

 
 

Quellen:

1Al-Doori, Z.; Goroncy-Bermes, P.; Gemmell, C.G.; et al: Slow-level exposure of MRSA to octenidine dihydrochloride does not select for resistance. J. Antimicrob. Chemother. 2007;59:1280-1282
2Conceição T, Lencastre H, Aires-de-Sousa M. Efficacy of octenidine against antibiotic-resistant Staphylococcus aureus epidemic clones. J. Antimicrob. Chemother. 2016; first published online June 21, 2016 doi:10.1093/jac/dkw241
3Goroncy-Bermes, P.; Brill, F.H.H.; Brill, H.: Antimicrobial activity of wound antiseptics against Extended-Spectrum Beta-Lactmase-producing bacteria. Wound Med. 2013;1:41-43
4Hajska, M.; Slobodnikova, L.; Hupkuva, H.; et al: In vitro efficacy of various topical antimicrobial agents in different time periods from contamination to application against 6 multidrug resistant bacterial strains isolated from burn patients. Burns 2013;40:713-718
5Poovelikunnel T., Gethin G., Humphreys H.: Mupirocin resistance: clinical implications and potential alternatives for the eradication of MRSA J. Antimicrob. Chemother. 2015; 70(10): 2681-2692 first published online July 3, 2015 doi:10.1093/jac/dkv169